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Als Historismus bezeichnen wir im 19. Jahrhundert das Sammelbecken von Stilrezeptionen vergangener Epochen.
Neubarocke, neogotische, klassizistische und renaissancemäßige Strömungen lösen sich in rascher
Folge ab.
Man baut „gotische" Kirchen, „barocke" Justizpaläste und richtet sich Herrenzimmer im Renaissancestil ein.
Die Glaskunst nimmt sich spätgotische Krautstrünke und Renaissancehumpen ebenso zum Vorbild wie Barockpokale.
Impulse zur Erneuerung des Kunsthandwerks gingen von der 1888 gegründeten Arts and Crafs-Bewegung in England aus und wurden in Deutschland vom 1907 gegründeten Deutschen Werkbund und später vom Bauhaus (1919 gegründet) aufgegriffen. Gegen die Nachbildung historischer Stile wendet sich auch der Jugendstil (benannt nach der in München seit 1896 verlegten Zeitschrift „Die Jugend"). Der deutschen Strömung parallel laufen in Österreich der Sezessionsstil, in Frankreich Art Nouveau, in England Modern Style und in Italien Liberty Style. Unter ostasiatischem Einfluss entwickelt er einen stark bewegten, linearen, fließenden Ornamentsil mit vegetabilen Formen, der von Möbeln und Kunstgewerbe ebenso Besitz ergreift, wie von der Graphik.
Nach dem Ersten Weltkrieg setzte sich der Art Deco als Reaktion auf diesen fließenden, floralen Stil mit seinem geometrischen Design durch, das sich unter dem Einfluss des Bauhauses bewusst mit der industrie- und maschinengerechten Form identifizierte. Die bis in die Mitte der dreissiger Jahre bestimmende Stilrichtung leitet ihren Namen von der 1925 in Paris abgehaltenen Ausstellung dekorativer Kunst ab. |